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Vier Beete an der Johanniterkirche, rund hundert Kräuter und achthundert Jahre Geschichte auf demselben Fleck Erde. So sieht es aus, wenn es fertig ist.
Zum GartenAltes Wissen, neu zugänglich
In einem alten Kräutergarten steckt mehr als Arbeit. Da steckt Wissen drin, das über Generationen zusammengetragen wurde – welche Pflanze wofür taugt, wann man sie schneidet, was sich daraus machen lässt.
Nur steht das meiste davon nirgends geschrieben. Es lebt in den Köpfen derer, die den Garten pflegen – und wird weitergegeben, solange jemand fragt. Genau dafür gibt es die App.
Ohne Anmeldung, ohne Konto. Für Besucher kostenlos.
Die App
Weil keine Suchmaschine weiß, was in eurem Beet wächst. Die App kennt genau diesen Garten – jede Pflanze an ihrem Platz, mit dem Wissen, das hier über Jahre zusammengekommen ist.
Was im dritten Feld steht, findet man nirgends im Netz. Hier steht es: rund hundert Pflanzen an ihrem Platz, mit Bild, Steckbrief und den Rezepten, die daraus entstehen.
Im Garten ist das Netz oft weg. Die App lädt einmal und ist danach da – Lageplan, Steckbriefe und Rezepte funktionieren auch ohne Verbindung.
Gießplan, Termine, offene Aufgaben. Das steht sonst auf einem Zettel, den einer hat – und alle anderen müssen fragen.



Wie es anfing
In Wiesenfeld, einem Dorf in der Gemeinde Burgwald im Landkreis Waldeck-Frankenberg, liegt seit fast vierzig Jahren ein Kräutergarten an der Johanniterkirche. Gepflegt wird er ehrenamtlich, Woche für Woche, von Mai bis Oktober.
Getragen wird er vom Heimatverein Wiesenfeld: Er steht dahinter, wenn Pflanzen nachgekauft oder Werkzeug ersetzt werden müssen. Die Arbeit im Beet und die Planung der Saison macht der Gartenkreis.
Bei einem dieser Treffen kam die Frage auf, die sich irgendwann in jedem Garten stellt: Wie soll es hier weitergehen? Einig war man sich schnell, dass der Garten mehr Menschen erreichen sollte.
Denn wer am Beet steht und nicht weiß, was da wächst, geht weiter. Wer erfährt, dass vor ihm ein Seifenkraut steht, mit dem man bis ins 19. Jahrhundert Wolle gewaschen hat, bleibt stehen und schaut genauer hin.
Wiesenfeld in Nordhessen – und derselbe Garten als Lageplan in der App, Beet für Beet zum Antippen.
Nicht nur Arbeit
Ein Kräutergarten ist keine Fläche, die nur gepflegt werden will. Er gibt etwas zurück, wenn man weiß, wie – und dieses Wissen soll wieder in Umlauf kommen. Bei den Jungen, die einen Aperitif mit Blüten ausprobieren wollen, genauso wie bei denen, die noch wissen, was ihre Großmutter mit dem Beinwell gemacht hat.
Blüteneiswürfel in einem Aperitif, Lavendelzucker, Fruchtsalbei-Sirup. Dazu alte Rezepte aus der Hugenottenküche, die es hier seit dem 18. Jahrhundert gibt, und ein ganzes Menü, das ein Kochteam aus dem Spätsommergarten entworfen hat.
Wofür man eine Pflanze früher genommen hat, wie ein Aufguss angesetzt wird, was beim Kräutermarkt daraus entsteht. Vieles davon kennt die ältere Generation noch – und vieles wäre verloren, wenn es niemand aufschreibt.
Was blüht in diesem Monat, was lässt sich jetzt ernten, was steht wo. Wer durch den Garten geht, hat die Antworten in der Hand – und wer zu Hause etwas nachziehen möchte, nimmt sie einfach mit.
Wohin es gehen soll
Was für einen Garten funktioniert, funktioniert für viele. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg und in ganz Nordhessen liegen Klostergärten und Schulgärten, Bauerngärten am Museum, Rosengärten und Kräuterbeete an Kirchen – und in jedem steckt eine eigene Geschichte.
Der Gedanke hinter kräutergarten.app ist deshalb größer als ein Dorf: jeder Garten mit seiner eigenen Bepflanzung, seiner eigenen Geschichte – und einer App, die genau dazu passt und zu keinem anderen.
Gedacht ist das für ein Pflegeteam, das sich seit Jahren jede Woche abwechselt und dessen Wissen bisher nirgends steht. Für eine Schule, die mit ihren Kindern ein Beet anlegt und möchte, dass die Klasse nachlesen kann, was sie da gepflanzt hat. Und für eine Kommune, die ihren Kloster- oder Kräutergarten für Besucher sichtbar machen will, ohne dafür ein eigenes Digitalprojekt aufzusetzen.
Für alle drei ändert sich dabei auch etwas ganz Praktisches: Der Dienstplan steht nicht mehr nur auf Papier, Termine erreichen alle, und wer neu dazukommt, findet sich vom ersten Tag an zurecht.
Worum es uns geht
Hinter jedem dieser Gärten stehen Menschen, die ihre Zeit hineinstecken, ohne dafür etwas zu bekommen. Was sie tun, sieht man am Beet – darüber hinaus aber selten. Wenn eine App dazu beiträgt, dass diese Arbeit wahrgenommen wird, hat sie ihren Zweck schon erfüllt.
Und es gibt noch einen Grund. Die Idee, aus stillgelegten Kirchhöfen wieder „Gärten des Lebens" zu machen, stammt von Irmgard Bott und dem Arbeitskreis Dörfliche Kultur. Wiesenfeld hat diese Anregung Ende der Achtziger aufgegriffen, und der Garten an der Johanniterkirche geht bis heute darauf zurück. Diesen Gedanken ins digitale Zeitalter weiterzutragen, ist der Anspruch hier.
Wenn ihr einen Garten habt, der gepflegt wird und eine Geschichte mitbringt, dann sprecht uns an. Wir schauen gemeinsam, was daraus werden könnte – ob das Beet zu einer Schule gehört, zu einer Kirchengemeinde, einem Verein oder einer Gemeinde.
Ganz umsonst ist so ein Aufbau nicht – es steckt Arbeit darin, jede Pflanze aufzunehmen und jeden Lageplan zu zeichnen. Darum geht es im ersten Gespräch aber noch gar nicht. Erst einmal hören wir uns an, was ihr habt.
Dirk Piston aus Burgwald in Nordhessen – dieselbe Gemeinde, zu der auch Wiesenfeld gehört. Er hat die App gebaut und pflegt sie weiter.
Vier Beete an der Johanniterkirche, rund hundert Kräuter und achthundert Jahre Geschichte auf demselben Fleck Erde. So sieht es aus, wenn es fertig ist.
Zum GartenOhne Anmeldung, ohne Konto, für Besucher kostenlos. Tippt euch durch den Lageplan, lest die Steckbriefe, sucht euch ein Rezept heraus.
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