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Der Garten Wiesenfeld

Vier Beete an der Kirchenmauer

Ein Kräutergarten in einem nordhessischen Dorf: vier Felder um einen Rosenstock, rund 100 Pflanzen, ein Team, das ihn seit Jahren pflegt. Und seit 2026 eine App, in der alles davon nachlesbar ist.

Der Kräutergarten Wiesenfeld: niedrige Buchsbaumhecken um vier Beete, dazwischen ein schmaler Weg, im Hintergrund alte Obstbäume

Wer dahintersteckt

Ein Dorf, ein Garten, eine Gemeinschaft

Der Kräutergarten liegt an der Kirche in Wiesenfeld, einem Hugenottendorf in der Gemeinde Burgwald in Nordhessen. Getragen wird er von einem breit gemischten Team zwischen 20 und 70 Jahren – ehrenamtlich, in wöchentlichen Arbeits- und Pflegeeinsätzen. Gießen, schneiden, nachpflanzen: Der Garten wird nicht nur erhalten, er wird weiterentwickelt.

Der Lageplan mit seiner Bepflanzung ist dabei die Leitplanke. Er legt fest, was wo steht, und daran richtet sich alles aus – die Pflege genauso wie das, was neu dazukommt. In der App ist der Garten so verfügbar, wie er heute wirklich dasteht: jedes Feld, jede Pflanze, jeder Platz.

„Wissen bewahren – gemeinsam pflegen."

Was das Ganze trägt, ist einfach gesagt: Wissen über Generationen hinweg bewahren, gemeinsam pflegen, den Garten weiterentwickeln.

Organisiert wird es von einem kleinen ehrenamtlichen Orga-Team aus dem Dorf – gewählt, wechselnd, mitten aus der Gemeinde.

Blick über Wiesenfeld mit Fachwerkhäusern, der Kirche und den Feldern dahinter
Die Kirche von Wiesenfeld, an deren Mauer der Kräutergarten liegt
Der Lageplan des Gartens mit vier Beeten rund um einen Rosenstock

Der Garten liegt an der Kirchenmauer, mitten im Dorf – zu Fuß erreichbar für alle, die ihn pflegen.

Wie der Garten aufgebaut ist

Vier Felder, jedes mit einer Aufgabe

Die Beete sind nicht nach Schönheit sortiert, sondern nach dem, wofür die Pflanzen da sind. Ein Rosenstock steht in der Mitte, die Kirche im Norden.

Feld 1 · 22 Pflanzen

Küchenkräuter und Heilpflanzen

Was in der Küche gebraucht wird – und die Kräuter, die man täglich anfasst.

Feld 2 · 20 Pflanzen

Heilpflanzen und Teekräuter

Alles, woraus sich ein Tee aufgießen lässt.

Feld 3 · 30 Pflanzen

Alte Heilpflanzen

Die überlieferten Arzneipflanzen des Bauerngartens. Einige davon sind giftig – in der App stehen sie mit deutlicher Warnung und einem Knopf zum Giftnotruf.

Feld 4 · 24 Pflanzen

Blumen für den Altar

Was geschnitten wird, um die Kirche zu schmücken.

Rundherum läuft eine Beeteinfassung aus Buchsbaum, die alle vier Felder rahmt.

Rund 100 Pflanzen

Jede mit ihrer Geschichte

Von der Ringelblume bis zum Guten Heinrich – jede mit Bild, Steckbrief, Pflegehinweisen und ehrlichen Warnungen, wo sie nötig sind.

Ringelblume
Ringelblume
Lavendel
Lavendel
Kamille
Kamille
Salbei
Salbei
Pfefferminze
Pfefferminze
Thymian
Thymian
Rosmarin
Rosmarin
Borretsch
Borretsch
Malve
Malve
Beinwell
Beinwell
Schafgarbe
Schafgarbe
Zitronenmelisse
Zitronenmelisse

Vier, die man nicht vergisst

Feld 3 · Handwerkspflanze

Weber-Karde

Bis ins 20. Jahrhundert wurden ihre Köpfe in Tuchfabriken in Walzen eingespannt, um Stoff aufzurauen – kein Metallwerkzeug erreichte lange dieselbe Qualität. Ihre Blätter bilden am Stängel kleine Schalen, in denen sich Regenwasser sammelt. Daher der Name: dipsa, griechisch für Durst.

Feld 3 · vergessenes Gemüse

Guter Heinrich

Stand früher als „ewiger Spinat" in fast jedem Bauerngarten. Junge Triebe wurden geschält und wie Spargel gegart – Armenspargel. Der „gute" unterscheidet ihn übrigens vom „Bösen Heinrich", dem giftigen Aronstab. Heute steht er in mehreren Bundesländern auf der Vorwarnliste.

Feld 3 · Waschmittel

Seifenkraut

Bis ins 19. Jahrhundert das übliche Waschmittel für Wolle und Seide – und Museen nutzen Seifenkrautauszüge bis heute für empfindliche historische Textilien. Der Duft erscheint erst gegen Abend, dann kommen die Nachtfalter. Essen darf man es nicht.

Feld 4 · giftig, Stufe „stark"

Maiglöckchen

Alte Marienblume, traditioneller Bestandteil von Brautsträußen – und die deutlichste Warnung im ganzen Garten. Auch das Vasenwasser nimmt die Giftstoffe auf; es ist bereits zu einem Todesfall bei einem Kind gekommen, das daraus getrunken hat. In der App steht das an erster Stelle, nicht im Kleingedruckten.

75 Rezepte aus dem Beet

Was aus dem Garten auf den Tisch kommt

Suppen, Salate, Dips, Herzhaftes, Süßes, Tee und Vorrat – und darunter 14 überlieferte Rezepte, die das Team zusammengetragen hat.

Von früher · 3 Stunden

Poule au Pot – Huhn im Topf

„Jedem Bauern sonntags ein Huhn im Topf" – der Wunsch wird Heinrich IV. zugeschrieben, dem König, der 1598 mit dem Edikt von Nantes den Hugenotten Glaubensfreiheit gab. Sparsame Küche in Reinform: erst eine kräftige Brühe, dann das Fleisch. Zwei Mahlzeiten aus einem Feuer.

Von früher · 25 Minuten

Brotsuppe mit Liebstöckel

Altbackenes Brot, Brühe, Zwiebel, ein paar Blätter Liebstöckel. Weggeworfen wurde davon kein Krümel. Der Liebstöckel gab die kräftige Würze, für die man sonst Fleisch gebraucht hätte – deshalb hieß er in vielen Gärten auch Maggikraut.

Von früher · 15 Minuten

Salade des Réfugiés

Grüner Salat mit pfeffriger Kapuzinerkresse und Vinaigrette. Salat mit Essig und Öl anzumachen war hier neu, wo man Grünzeug bis dahin eher kochte. Und die Kapuzinerkresse war um 1700 selbst gerade erst aus Übersee angekommen – zwei Einwanderergeschichten auf einem Teller.

Von früher · 40 Min + 6 Wochen

Salzbohnen aus dem Steintopf

Grüne Bohnen, lagenweise mit Salz und Bohnenkraut in den Steintopf gestampft. Die ganze Familie saß abends beim Bohnenschnippeln zusammen. Vor der Tiefkühltruhe war das der Weg, den Sommer in den Winter zu retten.

Die Gartentafel

Le Jardin – ein Menü aus dem eigenen Beet

Das Kreativkoch-Team hat aus dem Spätsommergarten ein eigenes Menü entworfen: ein Spaziergang in drei Stationen, vom Blütenrand über das Herbstbeet bis zum Obstbaum. Und zugleich ein Gruß an die Hugenotten, die einst mit französischer Gartenküche nach Wiesenfeld kamen – jeder Gang trägt einen leisen französischen Akzent.

Ein Menü, nicht zwei

Statt getrennter Karten für Vegetarier und Fleischesser gibt es ein Menü mit austauschbarer Mitte. Drei der vier Gänge sind ohnehin vegan und für alle gleich. Nur beim Hauptgang wechselt, was auf dem Teller liegt: karamellisierter Spitzkohl oder geschmorte Hähnchenkeule. Derselbe Kartoffel-Liebstöckel-Stampf, dieselben Bohnen, derselbe Estragon-Senf-Jus.

Der Nachtisch ist bewusst in beiden Varianten vegan – damit das Menü für alle gleich endet.

In der App lassen sich die Mengen auf die Personenzahl hochrechnen, und jeder Baustein – Fruchtsalbei-Sirup, Blüteneiswürfel, Lavendelzucker – steht als eigenes Rezept dahinter.

Die Rezeptliste der App
75 RezepteSortiert nach Gericht, filterbar nach Pflanze – und jedes sagt, was gerade im Beet dafür bereitsteht.

Woher die französischen Namen kommen

Die Réfugiés und ihre Küche

Wiesenfeld gehört zu den nordhessischen Dörfern, in denen nach 1685 Hugenotten angesiedelt wurden. Was sie mitbrachten, steht bis heute in den Rezepten.

1598 und 1685

Heinrich IV. gab den Hugenotten mit dem Edikt von Nantes Glaubensfreiheit. Mit dessen Aufhebung 1685 begann die Flucht – die Réfugiés wurden in Dörfern wie Wiesenfeld, Louisendorf und Schwabendorf angesiedelt.

Karge Böden, offene Köpfe

Die Kolonisten mussten auf gerodetem Boden zurechtkommen und waren offen für alles, was satt machte. Rund um Frankenberg wurde die Kartoffel deshalb früh angebaut – lange bevor sie anderswo auf den Tisch kam.

Eine Spur in der Sprache

Dass Kerbel und Estragon in Deutschland lange als „französische Kräuter" galten, erzählt bis heute davon, wer sie hierher mitgebracht hat. Die Hugenotten galten in ihrer neuen Heimat als geschickte Gärtner.

Der Hugenotten-Bezug betrifft die Region und die überlieferten Rezepte. Über die Entstehung des Gartens selbst sagt er nichts – wir behaupten da nichts, was wir nicht belegen können.

Am besten selbst durchtippen

Der Garten ist offen für alle – ohne Anmeldung, ohne Konto. Tippt euch durch den Lageplan, lest die Steckbriefe, stöbert in den Rezepten. Was das Team dahinter organisiert, liegt hinter einer PIN; alles über die Pflanzen ist frei zugänglich.

Wichtiger Hinweis zu Pflanzen und Rezepten. Die Angaben in der App dienen der Information. Sie ersetzen keine fachliche Beratung, sind keine Anleitung zur Selbstbehandlung und stellen keine Heilversprechen dar. Die Einstufungen zu Giftigkeit und Hautverträglichkeit wurden sorgfältig recherchiert, sind aber nicht fachlich gegengelesen. Verwende nur Pflanzen, die du eindeutig bestimmt hast. Bei Verdacht auf eine Vergiftung zählt der Giftnotruf, nicht die App.