
Feld 3 · Alte Heilpflanzen
Wermut
Artemisia absinthium · Korbblütler (Asteraceae)
Wermut ist eine der bittersten Pflanzen unserer Gärten. Das silbrig behaarte Laub leuchtet auch ohne Blüte. Seit dem Mittelalter gehört er in jeden Kloster- und Bauerngarten.
Erkennen
- Blatt: Zwei- bis dreifach fiederteilig, beidseitig silbrig behaart, weich im Griff. Die Blattabschnitte enden stumpf.
- Blüte: Viele winzige, halbkugelige Köpfchen von etwa 3 mm, hängend, blassgelb, in langen lockeren Rispen.
- Wuchs: Am Grund verholzend, aufrecht und buschig. Die Pflanze bildet mit den Jahren einen breiten Horst.
- Duft: Aromatisch-bitter, unverwechselbar. Der Geruch bleibt an den Fingern haften.
Verwechslung: Beifuß sieht ähnlich aus, ist aber oberseits grün und unterseits weißfilzig, seine Blattzipfel sind spitz. Auch Eberraute und Edelraute gehören zur selben Gattung und riechen anders.
Steckbrief
- Lebensform
- Ausdauernder Halbstrauch
- Höhe
- 60 bis 120 cm
- Blütezeit
- Juli bis September
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
Verwendung
In der Küche
- Sehr sparsam als Bitterkomponente an fettem Braten oder Gänsefüllung
- Wegen der starken Bitterkeit nur in kleinsten Mengen
Als Tee
- Getrocknetes Kraut ergibt einen sehr bitteren Aufguss
- Traditionell als Bittertee genutzt
- Nicht über längere Zeit trinken
Heilkunde Nur eingeschränkt
Traditionelle Anwendung: Alte Bitterpflanze, traditionell bei Appetitlosigkeit und leichten Magenbeschwerden.
Was die Forschung sagt: EMA/HMPC-Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel; die Wirksamkeit ist nicht durch klinische Studien belegt, sondern durch langjährige Anwendung plausibel.
Vorsicht: Thujonhaltig. Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht für Kinder, nicht über längere Zeit. Bei Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
Teil, Sammelzeit und Zubereitungen
Die Angaben dienen der Information des Gartenteams. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung und sind keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Bei Beschwerden, in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten bitte ärztlich abklären. Verwende nur Pflanzen, die du eindeutig bestimmt hast.
Für Insekten
Die unscheinbaren Blüten werden vor allem von kleinen Fliegen und Wildbienen besucht; der Wert liegt eher im Laub als in der Blüte.
Duft
Stark aromatisch, bitter-würzig, schon beim Vorbeigehen wahrnehmbar.
Pflege
Standort
- Vollsonnig
- Warm und luftig
- Verträgt Trockenheit und magere Lagen
Boden
- Durchlässig, eher trocken
- Kalkhaltig ist willkommen
- Staunässe wird schlecht vertragen
Wasser
- Sehr sparsam gießen
- Nur bei langer Dürre wässern
- Etablierte Pflanzen kommen allein zurecht
Düngung
- Kaum nötig
- Magerer Boden fördert das Aroma
- Auf Stickstoff verzichten
Winter
- Voll winterhart
- Kein Schutz nötig
- Nasse Winterböden sind das größere Risiko als Frost
Rückschnitt
- Im Frühjahr vor dem Austrieb
- Verblühte Rispen nach der Blüte entfernen
- Um etwa ein Drittel bis zur Hälfte einkürzen
- Nicht bis ins alte Holz zurückgehen
Im Jahreslauf
- Austrieb
- März und April
- Blüte
- Juli bis September
- Ernte
- Juni bis August
- Rückschnitt
- März und September
- Gießen
- Juni und Juli
Gut zu wissen
- Namensgeber des Absinths, der wegen des Thujongehalts lange verboten war
- Klassische Klostergartenpflanze, bei Hildegard von Bingen ausführlich beschrieben
- Das silbrige Laub bringt auch in blütenarmen Zeiten Struktur ins Beet
Im Garten in Wiesenfeld
Wermut wächst im Kräutergarten an der Johanniterkirche (Feld 3 · Alte Heilpflanzen). In der App siehst du auf dem Lageplan, wo genau – auch ohne Netz im Garten.
